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Warum sagen viele Anwälte, dass es eine Online Scheidung nicht geben würde?

Nicht jeder Mensch ist vorbehaltlos von der zunehmenden Digitalisierung der Welt und der Möglichkeit, heute nahezu alles online erledigen zu können, begeistert. Viele Menschen haben beispielsweise Ängste, dass ihnen durch die zunehmende Digitalisierung die Arbeitsplätze abhanden kommen, weil vermehrt im Internet eingekauft wird und auch viele andere Dinge im Internet abgewickelt werden können, die man früher außer Haus erledigen musste. Das ist gerade der älteren Generation nicht geheuer, während es für jüngere Leute selbstverständlich ist, diese Möglichkeiten zu nutzen. Heute können Autos online umgemeldet, alle Arten von Waren online eingekauft und auch Scheidungen online durchgeführt werden.

Ebenso wie es nach wie vor Supermärkte, Einkaufsläden und Fachgeschäfte gibt, gibt es daher auch Rechtsanwälte, die die zunehmende Digitalisierung in ihrem Berufszweig nicht gutheißen und die ihre Mandanten lieber persönlich als über das Internet beraten. Diese Anwälte lehnen die Online Scheidung oft ab. Da sie befürchten, dass die Beratung der Mandanten dabei auf der Strecke bleibt und da sie der Online Scheidung nicht positiv gegenüberstehen, argumentieren sie oft, dass es so etwas wie eine Online Scheidung gar nicht gibt. Streng gesehen ist das sogar richtig, denn von sehr wenigen Ausnahmen abgesehen ist es heute noch notwendig, dass die Ehepartner mit ihrem Anwalt zur Scheidung persönlich vor dem Familienrichter erscheinen. Alles andere bis dahin kann jedoch problemlos online abgewickelt werden.

Was genau ist eine Online Scheidung?

Bei der Online Scheidung findet die gesamte Kommunikation zwischen Anwalt und Mandant online statt. Das bedeutet, der Mandant sucht den Anwalt nicht mehr wie früher in der Anwaltspraxis auf, wo er sein Anliegen mit ihm bespricht, sondern es wird telefoniert oder per Email oder Videokonferenz kommuniziert.

Schon der Scheidungsantrag kann online gestellt werden und wird dem Rechtsanwalt per Internet übermittelt, der dann alle weiteren Schritte einleitet. Dokumente werden nicht mehr auf dem Postwege verschickt, sondern per Internet in eine sogenannte Webakte hochgeladen, auf die Anwalt und Mandant 24 Stunden am Tag Zugriff haben. Viele Abläufe beschleunigen sich so und ein wichtiges Dokument findet beispielsweise schon nach wenigen Minuten den Weg zum Anwalt oder Klienten, anstatt auf dem Postweg zwei Tage zu brauchen.

Das Scheidungsverfahren an sich ist in aller Regel nicht Bestandteil der Online Scheidung. Auch wenn es Ausnahmen gibt, müssen im Normalfall beide Ehepartner und mindestens ein Anwalt, bei einer nicht einvernehmlichen Scheidung zwei Anwälte, beim Scheidungstermin anwesend sein. Ausnahmen von dieser Regel gibt es, wenn einer oder beide Eheleute im Ausland leben und es ihnen nicht zugemutet werden kann, für den Scheidungstermin extra eine weite Reise auf sich zu nehmen. Sie können in diesen Fällen von einem Richter an ihrem jetzigen Wohnort gehört werden. In Einzelfällen ist auch eine Videokonferenzschaltung in einen deutschen Gerichtssaal möglich. Auf diese Weise wurde in Deutschland im Jahr 2014 bereits einmal eine Ehe geschieden, bei der sich beide Ehepartner von Leipzig aus per Videokonferenzschaltung in einen Erfurter Gerichtssaal zuschalten ließen.

Bis diese Art der Online Scheidung, bei der auch das Scheidungsverfahren an sich quasi online stattfindet und die Anwesenheit der Eheleute im Gerichtssaal nicht mehr notwendig ist, zum Alltag wird, wird jedoch noch einige Zeit vergehen. Viele Amtsgerichte sind technisch nicht so ausgerüstet, dass diese Art der Verfahren alltäglich durchgeführt werden könnte und auch der Datenschutz stellt noch eine nicht zu vernachlässigende Hürde bei Online-Gerichtsverfahren dar.

Was sind die Vor- und Nachteile einer Online Scheidung?

Vorteilhaft bei der Online Scheidung ist für die Mandanten in erster Linie eine Zeitersparnis. Dokumente können bequem zuhause eingescannt und weggeschickt werden, ohne zur Post fahren zu müssen. Gespräche mit dem Rechtsanwalt können während der Mittagspause oder nach Feierabend von nahezu überall her geführt werden, ob von Zuhause aus per Telefon oder im Zug auf dem Nachhauseweg per Email. Das spart Zeit, Geld und stressige Fahrten zur Anwaltskanzlei im Berufsverkehr.

Wer also gut per Telefon und Email kommunizieren kann und keinerlei Berührungsängste gegenüber der Digitalisierung hat, der ist mit einer Online Scheidung bestens bedient. Wer hingegen seinem gegenüber lieber in die Augen schaut und wem das persönliche Gespräch wichtig ist, der sollte lieber bei der herkömmlichen Art der Scheidung bleiben. Direkte Nachteile der Online Scheidung gibt es jedoch nicht, wenn sich der Mandant mit dieser Art der Kommunikation wohlfühlt und der Anwalt immer gut erreichbar ist.

Tipp

Vor allem, wenn Sie im Ausland leben und sich in Deutschland scheiden lassen wollen, bringt die Online Scheidung viele Vorteile mit sich. Unter gewissen Umständen ist es nicht einmal mehr nötig, selbst zum Gerichtstermin nach Deutschland zu reisen.

Die Online Scheidung ist genauso rechtsgültig und legal wie eine herkömmliche Scheidung. Schließlich geht es heute bei dem Begriff Online Scheidung einzig um die Art und Weise, wie Anwalt und Mandant miteinander kommunizieren. Ob das persönlich, telefonisch oder schriftlich erfolgt, hat auf die Gültigkeit der Scheidung keinerlei Einfluss.

Das Scheidungsverfahren findet nach wie vor in einem Gerichtssaal unter Anwesenheit der Ehepartner, eines Richters und mindestens eines Rechtsanwalts statt. Ausnahmen von dieser Regel, wenn beispielsweise einer der Ehepartner im Ausland lebt und dort von einem Richter vernommen wird, anstatt nach Deutschland reisen zu müssen, sind vom deutschen Gesetz abgedeckt, somit also legal, doch sie haben auch nicht viel mit der Online Scheidung in dem Sinne wie der Begriff heute gebraucht wird, zu tun.

Bis eine wirkliche Online Scheidung, bei der die Ehepartner generell nicht mehr vor Gericht erscheinen müssen, zum Alltag wird, müssen vor allem hinsichtlich des Datenschutzes noch einige Hürden genommen werden. Die technische Ausrüstung auf allen Seiten vorausgesetzt, spricht jedoch nichts dagegen, ein Scheidungsverfahren wie im Jahr 2014 in Erfurt per Videokonferenzschaltung und in körperlicher Abwesenheit der Eheleute durchzuführen.

Ist die Online Scheidung seriös?

Die Online Scheidung ist absolut seriös. Alle notwendigen Formalitäten werden bei der Online Scheidung ebenso wie bei einer herkömmlichen Scheidung gewissenhaft durchgeführt, denn das ist eine Grundvoraussetzung dafür, dass das Scheidungsverfahren vor Gericht überhaupt eröffnet werden kann. Ein guter Online-Scheidungsanwalt oder ein Scheidungsservice wird seine Mandanten ebenso gewissenhaft beraten und vertreten wie ein guter Anwalt, der seinen Mandanten in der Kanzlei empfängt und dort berät.

Die Online Scheidung ist nichts, was der Anwalt quasi nebenher machen und am Telefon zwischen zweit Terminen erledigen kann. Sie ist für den Anwalt in der Regel genauso zeitaufwändig wie eine herkömmliche Beratung. Die Grundvoraussetzung für eine Online Scheidung ist immer, dass Anwalt und Mandant beide gut per Telefon oder Email kommunizieren können und für eine gute Kommunikation nicht unbedingt ein Gegenüber brauchen, dem sie beim Sprechen direkt in die Augen schauen können.

Warum lehnen manche Rechtsanwälte die Online Scheidung ab?

Warum ein bestimmter Rechtsanwalt die Online Scheidung ablehnt oder die Meinung vertritt, es gebe keine Online Scheidung, müsste man ihn im Zweifelsfall selbst fragen. In vielen Fällen ist es jedoch so, dass die betreffenden Anwälte die Online Scheidung nicht befürworten und sie daher per Definition für nicht existent erklären. Wer es mit den Begrifflichkeiten sehr genau nimmt, und dazu neigen Juristen, denn schließlich ist es in ihrem Beruf von großer Wichtigkeit, sich klar und unmissverständlich auszudrücken, der kann in der Tat argumentieren, dass es keine Online Scheidung gibt.

Die Scheidung selbst, also das Scheidungsverfahren vor dem Amtsrichter, wird tatsächlich nach wie vor in den allermeisten Fällen auf ganz normalem, herkömmlichen Wege durchgeführt. Die beiden Eheleute, die sich scheiden lassen wollen, sind ebenso wie ihre Rechtsanwälte und ein Familienrichter im Gerichtssaal anwesend, wenn die Scheidung ausgesprochen und die Ehe geschieden wird. Von einer einzigen Ausnahme vor einem Erfurter Amtsgericht im Jahr 2014 abgesehen, ist das der Weg, auf dem in Deutschland eine Ehe geschieden wird. All das, was im Vorfeld der Scheidung jedoch geschieht, insbesondere die Beratungen beim Rechtsanwalt, das Stellen verschiedener Anträge und andere notwendige Formsachen, können jedoch online erledigt werden. So kann der Scheidungsantrag online gestellt werden, alle notwendigen Formulare können online übermittelt werden und auch die Beratungen durch den Rechtsanwalt kommen ohne direkten persönlichen Kontakt aus.

Wer den Begriff Scheidung nun auf den rein juristischen Prozess der Eheauflösung reduziert, der hat in der Tat recht, wenn er sagt es gibt - von der einen Ausnahme in Erfurt abgesehen - keine Online Scheidung. Nach dieser klaren Begriffsdefinition gibt es daher nur eine Online Scheidungsvorbereitung oder eine Online Scheidungsberatung. Der ein oder andere Jurist mag hier aus Gründen der Klarheit und Unmissverständlichkeit eine Notwendigkeit sehen, zu sagen, es gibt keine Online Scheidung, während es anderen Juristen auch durchaus als Haarspalterei vorkommen mag.

Ist die Online Scheidung schlechter als die konventionelle Scheidung?

Auch wenn manche Anwälte, die seit vielen Jahren in ihrem Beruf tätig sind, den mangelnden persönlichen Kontakt zwischen Anwalt und Mandat vielleicht für sich ablehnen würden, so heißt das nicht, dass eine Online Scheidung schlechter als eine herkömmliche Scheidung ist. Es heißt allerdings auch nicht, dass sie besser ist. Vielmehr kommt es in jedem Anwalt/Mandanten Verhältnis auf eine gute Kommunikation an und wenn beide Parteien am besten persönlich miteinander kommunizieren, dann ist eine herkömmliche Scheidung sicherlich besser geeignet. Fühlen sich jedoch sowohl Anwalt als auch Mandant bei der Kommunikation per Telefon, Email oder Videokonferenz wohl und legen beide keinen großen Wert auf ein persönliches Gegenübersitzen, so ist es auch kein Problem, so zu kommunizieren. Beide Seiten müssen sich mit der gewählten Art der Kommunikation wohlfühlen und dann gibt es keinen Grund, die herkömmliche Scheidung als besser zu bezeichnen als die Online Scheidung oder umgekehrt.

Fazit zu "Warum sagen viele Anwälte, dass es eine Online-Scheidung nicht geben würde?"

  • Der Begriff Online Scheidung bezieht sich auf alle Gespräche und Beratungen zwischen Anwalt und Mandant, die im Vorfeld einer Scheidung notwendig sind.
  • Die Scheidung selbst wird in Deutschland noch immer vor einem Familiengericht ausgesprochen.
  • Bis auf wenige Ausnahmen müssen bei der Scheidungsverhandlung beide Ehepartner und mindestens ein Rechtsanwalt körperlich im Gerichtssaal anwesend sein.
  • Lebt ein Ehepartner im Ausland und ist es ihm nicht zuzumuten, für das Scheidungsverfahren nach Deutschland zu reisen, kann er vor einem Richter an seinem jetzigen Wohnort Stellung nehmen.
  • In Deutschland wurde bisher erst eine Ehe geschieden, ohne dass einer der beteiligten Ehepartner im Gerichtssaal anwesend war. Vor einem Familienrichter am Erfurter Amtsgericht wurde im Jahr 2014 eine Ehe geschieden, bei der beide Ehepartner per Videokonferenz zugeschaltet wurden.

Nützliche Links

Warum sagen viele Anwälte, dass es eine Online Scheidung nicht geben würde?